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Heim-Weltcup der Biathleten: Staffel-Drama um DSV-Quartett: Das „Riesenfest“ fällt aus
Im Winter-Wunderland von Oberhof bleiben die deutschen Skijäger am letzten Wettkampftag ohne Podestplatz. In der Staffel ist es spannend wie selten.
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Vor der traumhaften Oberhofer Winterkulisse ließ sich David Zobel von den tausenden Fans feiern. „Der Tag bleibt mir für ewig in Erinnerung“, sagte Zobel nach dem spannendsten Staffelrennen der jüngeren Biathlon-Historie mit fünf Teams innerhalb von sechs Sekunden.
Zwar zog er am Ende im Fünfkampf gegen die siegreichen Norweger, die Franzosen, Schweden und Italiener auf der Ziellinie den Kürzeren. Dennoch verkaufte sich der 29-Jährige, der für den erkrankten Philipp Horn auf die Schlussposition gerückt war, mit Justus Strelow, Lucas Fratzscher und Philipp Nawrath im Kampf gegen die Besten der Besten teuer.
In der abschließenden Verfolgung wurde Franziska Preuß beim zweiten Erfolg von Sprintsiegerin Elvira Öberg aus Schweden als beste Deutsche Fünfte. Mit der Platzierung sei sie „auf alle Fälle“ zufrieden, sagte Preuß in der ARD. „Zwei Fehler, das ist wieder einer zu viel. Aber ich bin von Runde zu Runde besser reingekommen.“ Vanessa Voigt schob sich durch vier fehlerfreie Schießeinlagen von Rang 27 auf Position acht nach vorn.
Knüppelharte Männer-Konkurrenz
Hätte Zobel stehend keinen Nachlader gebraucht, „dann könnten wir hier ein Riesenfest feiern“. So hatten die Deutschen nach zehn Nachladern 5,4 Sekunden Rückstand auf den Olympia-Favoriten Norwegen. „Schade, dass es knapp nicht gereicht hat. Aber wir sind sehr zufrieden. Es ist so knüppelhart im Herrenbereich, da muss alles genau stimmen“, sagte Bundestrainer Tobias Reiter.
Das Rennen gebe Selbstvertrauen für den am Mittwoch mit der Frauen-Staffel (14.30 Uhr/ZDF und Eurosport) beginnenden Weltcup in Ruhpolding. Dort bekommen Zobel und der ebenfalls couragiert laufende Fratzscher eine weitere Chance. Für beide geht es noch um die Olympia-Norm.
Noch viel Potenzial
Vier Wochen vor den Olympischen Spielen in Italien waren Rang zwei von Nawrath im Sprint sowie Staffelrang drei durch die Frauen zwar kleine Mutmacher. Aber absolute Ausreißer nach oben gab es nicht, mit Blick auf den Saisonhöhepunkt in Antholz ist noch viel Luft nach oben. Insgesamt holte das deutsche Team in den bisher 18 Saisonrennen lediglich vier Podestplätze, ein Sieg war noch nicht dabei. Die Frauen sind noch ohne Einzelpodest.
Die Schwankungen sind weiterhin groß. Mal passt die eine Teilleistung, mal die andere - aber zu selten beide zusammen. In der Staffel kompensierten die Norweger und Franzosen sogar zwei Strafrunden, Italien eine. Ausnutzen konnte das DSV-Quartett das nicht.
Zudem patzten Nawrath und Co. in der Verfolgung am Schießstand gleich reihenweise. Nawrath kam im Jagdrennen am Samstag und in der Staffel als Führender zum Schießstand, die Nerven spielten aber nicht mit. „Es war wieder sehr aufregend. Ich habe versucht, mich vor dem Schießen fokussiert zu beruhigen. Aber es funktioniert hier gerade nicht so ganz“, sagte Nawrath.
Grotian unter Olympia-Druck
Vor allem Selina Grotian steht unter Druck. Denn ihr Traum von ihren ersten Olympischen Spielen droht zu platzen. Die 21-Jährige hat noch keine Norm. Nach ihrer Corona-Infektion und dem Fehlen bei zwei Weltcups hat sie erst fünf Saisonrennen absolviert. Und in Oberhof konnte sie mit Rang 30 im Sprint und Platz 23 in der Verfolgung nichts reißen. In der Staffel schoss sie zudem eine Strafrunde.
Erschwerend kommt hinzu, dass mit Preuß, Julia Tannheimer, Voigt, Janina Hettich-Walz und Anna Weidel bereits fünf ihrer Teamkolleginnen die Norm haben.
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